Beitragsbild - Kann Teamsport die Gesellschaft retten

Vereine am Scheideweg – bleibt Fußball bezahlbar für alle??

Der Verein – Der Beitrag – Das Mitglied

Ist das noch zeitgemäß?

Vereine haben es nicht leicht. Oftmals vor vielen Jahren von Idealisten mit einem einfachen Ziel gegründet – nämlich gemeinsam Fußball zu spielen – sehen sich die Vereine heute oftmals in einer multiplen Zwickmühle. Es gilt heute vielerlei Ansprüche zu erfüllen, und gleichzeitig ein Verein zu bleiben. Kann das überhaupt noch funktionieren?
Im idealen Verein setzen idealistische Ehrenämtler alle notwendigen Funktionen um. Von der Vereinsführung bis zur Platzpflege, vom Betreuer der alten Herren, bis zum Trainer der Bambinis. All dies bleibt natürlich ohne jede Bezahlung. Der Souverän, der die wichtigen Entscheidungen fällt, ist die Mitgliederversammlung, bei der alle Mitglieder sich direkt einbringen können. Die Kosten für die Miete und den Unterhalt der Sportanlage und die notwendige Ausrüstung von der Eckfahne bis zum Spielertrikot werden mit möglichst niedrigen Vereinsbeiträgen aller Mitglieder finanziert. Nachdem der Verein keinerlei Gewinnorientierung hat, orientiert sich die Beitragshöhe automatisch an den für den Vereinsbetrieb entstehenden Kosten. Im idealen Verein. Den es so auch sicher lange Zeit tatsächlich gab.

Eigentlich ein geniales Konzept. Alle sind eingebunden. Jeder ist ein Teil des Vereins – und versteht sich auch so.

Warum ist das heute doch alles irgendwie anders? Darauf soll hier eine kurze und sicherlich nicht abschließende Antwort gefunden werden.

1) Die Arbeitswelt: Die Verdichtung von Arbeitslasten, zeitliche Flexibilisierung die letztlich zu permanenter Mehrarbeit führt und die notwendige Verlängerung der Lebensarbeitszeit ergaben gesellschaftlich eine Einsicht: Zeit wird immer knapper und somit kostbarer. Zeit ist Geld. In der Konsequenz gibt es grundsätzlich weniger Menschen, die ehrenamtlich in einem festen zeitlichen Rahmen arbeiten können oder auch wollen.
2) Der Zeitgeist: Was nichts kostet ist nichts wert! Im Umkehrschluss: Wer für sein Tun nicht bezahlt wird verplempert seine Zeit. Ehrenamt wird sinnentkernt und entwertet. Es gibt immer weniger Mitglieder, die sich als Mitglieder verstehen und aktiv einbringen wollen oder auch können. Immer mehr ehrenamtliche Tätigkeit verteilt sich auf immer weniger ehrenamtliche Schultern.
3) Der Anspruch: Längst sollen möglichst alle Trainer lizensiert sein, die Ausstattung der Kabinen und Duschen modern, die Sportplätze gepflegt und die Ausrüstung perfekt. Professionalisierung ist das Thema. Treibend ist dabei der Vergleich mit professionellen Sport- und Fitnessangeboten.
4) Der Beitrag: Dieser soll sich deutlich nach unten von professionellen Angeboten unterscheiden. Dabei sollen bzw. müssen gerade Fußballvereine wichtige sozio-gesellschaftliche Funktionen erfüllen, für ALLE offen sein. Unabhängig von Geldbeutel, Herkunft und Hintergrund.

Ein Spagat, der eigentlich nicht zu schaffen ist. Letztlich bestimmt die finanzielle Ausstattung der Vereine die Möglichkeiten qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten. Soll gerade der Fußball seine unglaubliche Breitenwirkung als Teamsport behalten, oder im Sinne einer vielfältigen, integrierten und funktionierenden Gesellschaft noch weiter ausbauen, so kann dies nur durch eine erheblich verbesserte finanzielle und strukturelle Unterstützung durch Bund, Länder und Kommunen gewährleistet werden. Fußballvereine werden mangels ehrenamtlich Tätiger zunehmend Funktionen professionalisieren müssen, und im Wettbewerb mit der Freizeitindustrie immer weiter in Infrastruktur investieren müssen. Um diese Herausforderungen stemmen zu können, bleibt als Alternative zur Unterstützung durch öffentliche Kassen nur mehr die massive Erhöhung der Vereinsbeiträge, wodurch die Vereine für einige Schichten der Bevölkerung vermutlich nicht mehr bezahlbar wären. Die Entscheidung dafür liegt jetzt in den Händen der politischen
Entscheidungsträger. Und an allen, denen Vereinsstrukturen wichtig sind.

Wir alle müssen unsere Probleme wesentlich lauter und deutlicher formulieren!

Gefordert sind natürlich auch professionelle Strukturen, ihre Wurzeln nicht zu vergessen und entsprechend Mittel dorthin weiter zu leiten, wo der eigene Nachwuchs generiert wird. So wäre es ein schönes Signal, wenn die DFL ihre Verantwortung für den Amateurfußball ernst nehmen würde, und sich beispielsweise gezielt bei Infrastrukturmaßnahmen finanziell einbringen würde. Aber für solche Lösungen fehlt aktuell noch die Phantasie…

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