Mindestlohn im Amateurfußball – Willkommen in Absurdistan

Seit der Einführung des Mindestlohns ist dieser auch ein Thema im Amateurfußball. Warum eigentlich? Was ist eigentlich ein Amateurfußballer? Ein Fußballer, der kein Profi ist, also jeder, der Fußball in seiner Freizeit als Hobby betreibt. Es ist gängige Praxis, vor allem in den „höheren“ Amateurfußballligen, Spieler für die Ausübung ihres Hobbies zu bezahlen. Eigentlich absurd. Die bezahlten „Amateure“ nutzen die Infrastruktur der öffentlich bezuschussten gemeinnützigen Vereine, zahlen oft nur proforma Beiträge und erhalten für die Ausübung ihres Hobbies Geldleistungen. Warum ist das so? Und warum wird diese sinnfreie Praxis nicht in Frage gestellt?
Zumal vielen Vereinen die finanziellen Mittel dort oft fehlen, wo sie am notwendigsten wären. Im Bereich einer qualitativen Jugendarbeit beispielsweise, aber auch in anderen infrastrukturellen Bereichen. Eine Bezahlung für die Ausübung von Sport kann nur dann gerechtfertigt werden, wenn der Verein durch die Darbietungen der Akteure Einnahmen für den Vereinszweck generieren kann, welche die Ausgaben für Spielergehälter und sonstige Aufwendungen übersteigen, und diese Mehreinnahmen satzungsgemäß und zwingend dem Gemeinwohl dienend eingesetzt würden. Diese Rechnung würde ich gerne in unseren Kreis-, Bezirks-, Landes- oder auch Verbandsligen sehen.
„Aber der Spieler könnte doch Geld verdienen, wenn er anstatt ins Training zu gehen, jobben würde…“ oder „Der Spieler hat eine weite Anfahrt zum Training“. Gerne genutzte Argumente, quasi fiktiv entgangene Einnahmen der Spieler zu erstatten. Mag sein. Aber es kann nicht Aufgabe des Vereins sein, einen Spieler mit finanziellen Anreizen zu seinem Hobby zu motivieren…
Warum also ist dieser Unfug gängige Praxis? Die Antwort ist vielschichtig. Da sind die egomanischen Präsidenten, die ihren Selbstwert mit der Liga einer Herrenmannschaft definieren, da sind Bürgermeister und Gemeinderäte, die die Liga der örtlichen Herrenmannschaften als Plattform zur Wählerstimmengewinnung nutzen, da sind ortsansässige Unternehmer, die gerne die scheinbare Strahlkraft einer höheren Liga nutzen möchten und da sind Spieler, die bar jeder Vereinsbindung dem größeren Schein hinterher hecheln. Der Fußball lässt sich willfährig instrumentalisieren, weil es auf den ersten Blick nur Gewinner gibt. Das Problem ist letztlich, dass die eingesetzten Mittel in der Regel am Jugendfußball vorbei gehen. Das heißt, der Fußball schafft sich mittelfristig selbst Nachwuchsprobleme und wird seiner gesundheitlichen und sozialen Zielsetzung als Breitensport nicht mehr gerecht. Eine fatale Entwicklung!

Kommentar hinzufügen