
Geburtenrekord in München – Der Druck im Kessel steigt
Am 18.01.2016 vermeldete die Landeshauptstadt München erfreuliches:
Zum neunten Mal in Folge gab es 2015 in München einen neuen Geburtenrekord. 17.143 Kinder wurden hier im Jahr 2015 geboren. Auf den ersten Blick ist das schon eine tolle Sache, wenn man im Hinterkopf hat, dass die Deutschen ja angeblich dem Aussterben geweiht sind. In der Boomtown München aber ticken die Uhren eben anders. Was grundsätzlich sehr erfreulich ist – auch der Autor freut sich über die Sicherung seiner Rente – löst in vielen Sportvereinen der Landeshauptstadt Nachdenklichkeit aus. Denn bereits jetzt sind die Kapazitäten vieler Vereine im Bereich Fußball erschöpft. Wie soll sich die Szenerie dann in den kommenden Jahren gestalten, wenn jährlich ein neuer Rekordjahrgang in die Vereine der Stadt drängen wird. Bereits jetzt können bei weitem nicht alle Kinder Fußballspielen, die das gerne im Verein machen würden. Was aktuell schon ein Skandal ist, wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter verschärfen, da die Münchner Bevölkerung ja nicht nur organisch wächst, sondern München auch weiterhin begehrtes Zuzugsziel sein wird.
Sport im Verein ist definitiv auch in den kommenden Jahren ein probates Mittel, die physische und psychische Gesundheit von Kindern zu fördern und vor allem der Kit, der unsere auseinanderdriftende Gesellschaft auch zukünftig zusammenhalten kann.
Stellt sich die Frage, worauf die Verantwortlichen der Landeshauptstadt München warten. Es geht wie immer um die effiziente Verteilung von knappen Mitteln. Für einen neuen Konzertsaal werden Beträge von ca. 300 Millionen € gehandelt. Die Münchner Kammerspiele erhalten beispielsweise eine jährliche Finanzspritze von 32,5 Millionen €, die Philharmoniker sind mit 16,8 Millionen € dabei (Stand 2014). Ohne nun Sportförderung und Kulturförderung in einen Wettbewerb zu stellen, ergibt sich anhand der Zahlen ein sehr schiefes Bild. Der Haushaltsplan der LH München sieht für die Jahre 2015 – 2019 insgesamt 81 Millionen € für sportbezogene Investitionen vor. Das bedeutet 16,2 Millionen € pro Jahr im Durchschnitt.
Dazu folgende Zahlen: In München treiben ca. 370.000 Menschen aktiv Sport in über 650 Vereinen. Die Landeshauptstadt investiert also in jeden aktiven Sportler jährlich etwa 43€. Dagegen wird jeder Besucher der Philharmonie mit 84€ pro Besuch subventioniert. Ein Besuch der Kammerspiele wird mit 260€ pro Besuch öffentlich bezuschusst. Zahlen, die zeigen, dass der gesellschaftliche Wert des Sportbetriebes in keiner Weise verstanden wird.
Letztlich entscheiden wir jetzt, ob wir unseren Kindern die Möglichkeit einer gesunden Entwicklung bieten oder eben nicht. Kinder die in Vereinen keinen Platz mehr finden bedeuten einen gesellschaftlichen Offenbarungseid.
Ob sich diese Kinder mit einem Besuch in der Philharmonie trösten lassen, soll hier nicht beurteilt werden. Der Druck im Kessel steigt! Es besteht dringender Handlungsbedarf.