Der Fußballverein in der Zwickmühle – ein (un)lösbares Dilemma??

Vereine gehören zu Deutschland. Ein Sprichwort sagt, wo immer ein paar Leute sich treffen entsteht mit Sicherheit ein Verein. Im Grunde ein schöner Gedanke:

Der Verein als organisatorischer Rahmen für gleichgesinnte Personen. Oder auch der Verein als Summe aller Mitglieder – aktiver und passiver. Jedes Mitglied ist gleichberechtigt, kann sich für eine Funktion zur Verfügung stellen und kann in Wahlen und Versammlungen seine Meinung vertreten und Entscheidungen treffen.

So verstehen nach wie vor die meisten Menschen in unserem Land das Thema Verein. Dabei ist die gelebte Realität insbesondere in Fußballvereinen längst eine andere.

Ehrenamtlich agierende Personen sehen sich konfrontiert von immer weiter steigenden Anforderungen aktiver Mitglieder, die sich nicht mehr als Mitglieder des Vereins sehen,  sondern als Nutzer. Der Vereinsbeitrag ist eigentlich eine Zahlung zum Erhalt der Mitgliedschaft in einem Verein, welcher der Aufrechterhaltung der Organisation und der Deckung der Kosten zur Erreichung des Vereinszwecks dient. Die meisten aktiven Mitglieder sehen diesen Beitrag aber als blankes Entgelt für die Nutzung von Dienstleistungen. Dies führt in der Konsequenz dazu, dass diese Mitglieder mit der Bezahlung des Beitrages ihren Anteil am Vereinsgeschehen als erledigt sehen. Dabei lebt ein Verein genau davon, dass sich Mitglieder ehrenamtlich, also ohne finanzielle Gegenleistung, in den Verein einbringen.

Arbeitsdienste, Feste organisieren, Projekte erarbeiten und entwickeln, die Homepage pflegen, Juniorenteams trainieren, Abteilungen leiten, die Vereinsbuchhaltung führen, mit der Fahne an der Seitenauslinie stehen, den Platz pflegen oder den Verein von der Spitze her führen. Die Notwendigkeiten der Vereine sind schier unbegrenzt. In vielen Vereinen konzentrieren sich derweil immer mehr notwendige Tätigkeiten auf wenige Personen. Dies macht diese Personen quasi unersetzbar. Mittelfristig ein enormes Risiko für den Bestand vieler Vereine.

Erschöpfung, Frustration, gesundheitliche Probleme, das Gefühl ausgenutzt zu werden – es gibt viele Gründe für Ehrenamtler hinzuschmeißen.  Zumal der Treibstoff „Anerkennung“ durch das Umfeld immer mehr durch Unverständnis fürs Ehrenamt ersetzt wird, während sich gleichzeitig die Belastungen am Arbeitsplatz weiter erhöhen. Wer unbezahlt leistet wird belächelt. Zum Beispiel auch durch Spieler in Herrenmannschaften, die für die Ausübung ihres Hobbys finanzielle Zuwendungen erwarten… Paradox.

Wie kann dieses Dilemma gelöst werden? Es gibt im Grunde zwei Ansätze.

Entweder der Verein professionalisiert sich. Das bedeutet, dass die Vereinsbeiträge auf ein Niveau gezogen werden, mit dem die weitgehende Finanzierung von haupt- und nebenberuflichen Vereinsmitarbeitern realisiert werden kann.

Oder der Verein reduziert sein Angebot auf das bequem durch Ehrenamtler stemmbare Maß, was dazu führen wird, dass der Verein mittelfristig nicht mehr konkurrenzfähig sein wird. Die Ansprüche der Menschen an Infrastruktur, Trainerqualität, perfekte Ausrüstung usw. sind mittlerweile einfach zu hoch.

Letztlich werden sich die Fußballvereine in der Breite einer Professionalisierung nicht entziehen können. In vielen anderen Sportarten ist dies gelebte Normalität. Damit wird sich der Fußball aber auch davon verabschieden, der Billigheimer unter den Sportarten zu sein. Deutlich höhere Beiträge als derzeit üblich sind der Preis, vor allem in Ballungsräumen.  Kein sozialpolitisches Wunschszenario, aber am Ende unausweichlich.

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