
Das Ende der Immunität
Die Schraube wird weiter gedreht
Fußball ist nach wie vor ein Premiumprodukt. Sponsoren und Konsumenten versorgen die Ligen mit dem notwendigen Kapital. Dass dies bisher in einem erträglichen Rahmen geschah, ist dem Spiel selbst zu verdanken. Mit nur einer Pause zur Halbzeit sind die Möglichkeiten der Werbung während des Spiels begrenzt, was quasi einer Immunisierung gleichkommt. Nun droht, was in anderen Sportarten, vor allem mit nordamerikanischen Wurzeln längst gängig ist, auch dem professionellen Fußball. American Football und Baseball sind ohnehin regelmäßig unterbrochen, im Eishockey wurde die Zahl der Werbemöglichkeiten mit sogenannten Powerbreaks (Zwischenpausen) künstlich erhöht.
Was am Wochenende wie ein kleiner Fauxpas rüberkam, nämlich die erhebliche Ausweitung der nach den Regeln maximal 15 minütigen Halbzeitpause beim Saisonfinale des FC Bayernstellt letztlich nichts weiter dar, als das Ausloten von Toleranzen. Zusätzliche 8 Minuten sind in der medialen Werbewelt gefühlte Ewigkeiten mit riesigem Potential. Hier an Zufall zu glauben, wird der Organisationsfähigkeit des FC Bayern nicht gerecht. Bleibt abzuwarten, welche Register noch gezogen werden. Auszeiten wären denkbar, vielleicht auch in Form künstlich herbei geführter Verletzungsunterbrechungen. Oder auch Drittelpausen mit ergänzenden Powerbreaks. Da ist vieles möglich – und zu befürchten. Die Abläufe des Wochenendes lassen Schlimmstes befürchten. Der Rahmen des Regelwerks ist gesprengt. Und der Druck des Kapitals wird weiter wachsen. Schade ums Spiel.