Auf- und Abstieg – Ratio versus Emotion?

Für die meisten Menschen war dieser Mittwoch im Juni 1991 ein stinknormaler Tag.
Lediglich für ein paar wenige sollte es einer der grandiosesten Tage ihres Lebens werden. Aber von Vorne. Wir waren ein ambitionierter Kreisklassist (damals B-Klasse) und kämpften seit Jahren um den Aufstieg in die Kreisliga (damals A-Klasse). Mehrfach waren wir in der Relegation knapp gescheitert. Und auch diesmal war es eng. Um den Sprung zu schaffen mussten zwei Spiele siegreich beendet werden. Das erste Spiel gegen den heutigen Bayernligisten FC Unterföhring konnten wir in einer ruhmreichen Schlacht durch einen Glücksschuss in der 114. Minute in der Verlängerung gewinnen. Nun galt es eben am Mittwochabend gegen den TSV Hebertshausen den finalen Schritt zu machen. Dieses Spiel endete aber auch nicht nach 120 Minuten. Ein Elfmeterschießen musste entscheiden. Auch dieses ging in die Verlängerung, weil mehrere Schützen, darunter auch der Verfasser, an den eigenen Nerven scheiterten. Erst mit dem achten Duell fiel die Entscheidung zu unseren Gunsten.

Die Dämme brachen und es herrschte ein unfassbarer Jubel, der in eine unglaubliche Feier im Vereinsheim mündete. Wir waren quasi Weltmeister und Olympiasieger zur gleichen Zeit. Auch heute kann ich mich noch in diesen Abend versetzen, der erst am nächsten Morgen sein Ende fand.
Aufsteigen kann also etwas unfassbar Schönes sein. So wie ein Abstieg aber auch ein kleiner bis mittlerer Tod ist. In diesen Momenten werden extreme Gefühle frei, wie Sie vermutlich nur im Teamsport möglich sind. Aber warum ist das so? Vor allem in den unteren Klassen, in denen keine Steigerung von Zuschauerzahlen und deutlich bessere Sponsorenverträge zu erwarten sind. Klar – ein Aufstieg ist das sportliche Maximalziel einer Saison. Aber Fakt ist, dass die kommende Saison im Normalfall wesentlich schwerer wird, weniger Siege eingefahren werden und im Fall des Abstiegs andere Turbulenzen, wie Spielerabgänge, Trainerwechsel usw. entstehen können. Dagegen verspricht der Abstieg eine kommende Spielzeit, in der wieder mehr Siege winken und in der die Stimmung wieder eine andere sein wird. Letztlich steht die Emotion gegen die Ratio. Denn gerade im nicht finanzgesteuerten Amateurbereich ist der Name der Liga eher sekundär. Es geht um das positive Gemeinschaftserlebnis. Wichtiger als der Name der Liga ist der sportliche Fit. Das heißt, dass ein Team in einer Liga spielt, in der es sportlich konkurrenzfähig ist. So gesehen wäre manchmal der Verzicht auf den Aufstieg eine gute Option. Auf den Abstieg würden ohnehin alle gerne verzichten…

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