Vereine am Abgrund – ist dem Amateurfussball noch zu helfen?

Schaut man sich in der Endphase der Saison in einschlägigen Portalen um, so sticht ins Auge, welche massiven Kaderumbrüche in vielen Vereinen mittlerweile Tagesgeschäft sind (z.B. Kammerberg 7 Abgänge und 8 Zugänge, FFB 11 Abgänge, Dachau 65 7 Zugänge, usw…). Dieses Vorgehen von Vereinen reicht von den sehr ambitionierten Halbamateuren der Regional- und Bayernligen bis hin zu den auch ambitionierten Kreisligisten.

Für einen Beobachter, der sich normalerweise dem Profibereich widmet, ein komplett normaler Vorgang. Spieler, aber auch Trainer, werden scheinbar beliebig gewechselt, in der Hoffnung die sportliche Situation der Mannschaften weiter zu verbessern.

Beschränkt man sich auf den Blick in Richtung Ligen und Tabellen, so mag dieser Ansatz durchaus zweckmäßig sein. Geht man aber eine Schicht tiefer, und befasst sich mit den Strukturen von Vereinen, dann erhält das Thema einen wesentlich anderen Charakter.
Grundsätzlich funktionieren Vereine so: Der Verein betreibt Jugendarbeit und versucht junge Spieler an den Verein zu binden. Wenn dies gelingt, werden diese Spieler auch im Herrenbereich des Vereins Fussball spielen, vielleicht daneben ein Jugendteam betreuen und irgendwann idealerweise den Sprung auf die Funktionärsebene wagen. Letztlich ist ein Verein ein Kreislauf, der aus sich selbst existiert. So das Idealbild.

Die Realität sieht bei vielen Vereinen aber anders aus. Zwischen den Spielklassen im Jugend- und Herrenbereich besteht häufig eine zu große Kluft. Oft wird auch auf die ernsthafte Ausbildung von Junioren komplett verzichtet. Vereinsinterne Junioren haben kaum noch die Chance, bei den eigenen Herren eingesetzt zu werden. Die Kader werden unter strengen Qualitätskriterien regelmäßig ergänzt – durch externe Spieler. Konsequenz: Vereinswechsel der „eigenen“ Spieler. Anstatt dem Ziel zu folgen, die „eigenen“ Spieler durch entsprechend qualifizierte Übungsleiter stetig zu verbessern und einzubinden, folgen die verantwortlichen Funktionäre in der Regel dem schnellen und vermeintlich einfacheren Weg, entsprechende Spieler von außen zu holen. Dass dies Mittel verschlingt, die in der Ausbildung von Spielern besser eingesetzt wären, soll nur nebenbei erwähnt werden. Dieser „Ligenwahn“ durchbricht letztlich den oben beschriebenen Kreislauf. Spieler, die mangels Perspektive den Verein verlassen fehlen als Jugendtrainer, als Betreuer, als Ehrenamtler, als Mitglieder und als Funktionäre. Und gerade hier sitzt der immer größer werdende Engpass. Immer höhere Ansprüche von Sportlern ohne Vereinsbindung stehen immer weniger Ehrenamtler gegenüber, die bereit sind in selbst ausbeuterischer Mission solche Arbeiten zu übernehmen. Vereine werden zum reinen Dienstleister für beliebig austauschbare Sportler, getrieben von den sportlichen Wunschträumen weniger Funktionäre. In der Breite ist dies eine verhängnisvolle Entwicklung, die in vielen Vereinen letztlich nicht mehr korrigiert werden kann, ohne einen Totalabsturz hinzulegen, wenn der Geldhahn, der die Strukturen künstlich am Laufen hielt, versiegt.
Das ist kein neues Thema. Es gab immer Vereine, die einen „eigenen“ Weg gingen. Auch im Großraum München. Vom FSV München über den FC Pipinsried hin zum FC Türk Gücü-A.S. Als temporäres Einzelprojekt ist das auch grundsätzlich problemlos. Leider nehmen aber immer mehr im Grunde noch gesund funktionierende Vereine solche Projekte als Vorbilder und höhlen sich damit unbewusst selbst aus. Und hier sitzt das große Problem. Mittlerweile werden – noch sehr leise – Ehrenamtler, wie Jugendleiter, Jugendtrainer, Abteilungsleiter usw. untereinander abgeworben, weil viele Vereine diese Positionen nicht mehr aus sich besetzen können. Parallel dazu werden die Aufgaben für die Funktionäre immer komplexer. Ein Teufelskreis, der leider in vielen Vereinen hausgemacht ist! Und der vielen Verantwortlichen auch nicht bewusst ist. Leider…

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